Laptopf

Ehrlich gesagt bin ich ein romantischer Mensch. Ich verdrücke eine Träne der Rührung, wenn ich meinen zerbissenen ATARI sehe, der mir ein so treuer Begleiter meines Studiums war und heute dank Erikas Bastelkünste das Kuschelkörbchen für den Hamster hergibt. Immerhin, sie hat aufgehört, meine alten Laptops als Topfuntersetzer zu nutzen (ein sog. "Laptopf") und in hausfraulichen Anwandlungen Bildschirmschoner zu häkeln.

El Condor Pasa

Aber ich werde ihr zwei Dinge nicht verzeihen: Sie hat die Diskette mit ihren frühen Liebesgedichten ("Oh wunderwollender Wirbelwuschel" und "Komm in mein Kuschelkörbchen") gefunden. Und sie hat an einem Sonntagnachmittag Axel angerufen, damit er ihr den Inhalt dieser Diskette ("34 Liebesgedichte in Inbrunst") auf ihren Computer überspiele. So machte Dr. Axel einen Hausbesuch, Erika eine Kanne Schwarztee und ich drei Kreuze.

Axel kam mit einer Ausrüstung, die andere für einen Angriffskrieg nutzen würden. Laptop, drei externe Diskettenlaufwerke, Drucker (wozu auch immer), verschiedene Disketten-Fabrikate, ein Gebetsteppich (!), zwei undefinierbare Spraydosen, ein Verlängerungskabel und ein WAP-Handy. Schaum kräuselte sich an seinen Mundwinkeln. Ich weiß ja auch, dass Disketten im Computer so fortschrittlich wie ein Dieselanlasser am Scanner sind.

Mit einem feurigen "Olé" lud Axel seinen digitalen Krempel auf dem Wohnzimmertisch ab. Das hätte er nicht tun sollen. Erika, meine Freundin, kam mit einer schön heissen Kanne Tee aus der Küche, murmelte was von neuem "Laptopf" und setze den bruzzelnden Behälter auf Axels aufgeklappter 1Giga-Laptop-Tastatur auf.

El Torro

Appetenzverhalten von Frauen war Axel noch nie geheuer. Fassungslos starrte er auf die verschmorkelnden "ASDFYXCV"-Tasten seines Allerheiligsten, weinte die bitteren Tränen und würgte dabei den Hamster, bis der blau anlief und die Backen hängen liess.

Und alles nur wegen den doofen Liebesgedichten von Erika, meiner Freundin. Aber Axel wäre kein echter Mann, wenn er in solchen Momenten nicht das Wort "Workaround" murmeln würde.

Wir begruben seinen Laptop im Garten (neben dem Hamster) und mit einem "Für Ehre, BIOS und Schnittstellen!" schritt Axel zu Tat und installierte das erste der drei externen Laufwerke an Erikas Heimgerät. Das schien uns notwendig, weil der erste Versuch, in einem Apple G4 und dessen DVD-Laufwerk eine Testdiskette zu lesen, damit endete, dass das Gerät die Datenscheibe eruptierte. Das zweiseitig formatierte Teilchen schlug mit einem lauten Sirren in der Wohnzimmerschrankwand ein.

Gut. Wir hatten also das erste Laufwerk installiert.

"Schafft 9000 Umdrehungen in der Minute."

Nach dem sirrenden Teilchen von vorhin zuckte ich an dieser Stelle unwillkürlich zusammen. Aber war nicht notwendig.

"Blöder Treiber."

Das Diskettenlaufwerk blieb still und stumm, auch sein japanischer Halbbruder, den wir danach anschlossen. Erst das osteuropäische Gerät - das ungarische Wort für "Diskettenlaufwerk" wollte ich mir nichteinmal vorstellen ... - liess mit einer erneuten Testdiskette bestückt das rote Lämpchen aufleuchten.

Allerdings konnte die Meldung "Urääääähh, dawai" oder so ähnlich eigentlich nur bedeuten, dass dieses Laufwerk vielleicht zu schummriger Beleuchtung, aber nicht zu einem eindeutigen Lesevorgang imstande war. Wie hätte man diesem harmlosen Stück Maueröffnung aber auch böse sein können. Die kyrillischen Gebrauchsanweisungen waren von uns ja auch nicht zu entziffern.

Marta le!

Also noch einmal von vorne. Das erste Laufwerk musste wieder ran.

"Kann Erika Daten saugen?"

Die Angebetete war sichtlich schockiert. Axel übersah seinen Fauxpas und bemächtigte sich des T-Online-Accounts meiner Freundin. Ein Druckertreiber. Das war sein Begehr.

4 Stunden später hatten wir einen so ähnlichen installiert. Eine Testdiskette sprach an, liess sich auch wieder tadellos entfernen und mehrmals formatieren. Ein Aschenbecher voller gebrauchter Teebeutel pendelte beängstigend instabil auf dem Bildschirm herum. Axel hatte inzwischen auch die Festplatte neu partitioniert - "Dann liest er die Daten schneller" -, hatte den Druckertreiber mit dem Scanner verwechselt und die kleine Rauchfahne aus dem Tintenstrahler vorerst nicht ernst genommen. Die Bildschirmschoner konnte er durch kleine Kniffe jetzt 13% schneller über den Screen huschen lassen, und die Bildwiederholfrequenz des Monitors liess sich bei Bedarf durch 14 teilen. Ach ja, und die Diskette war lesbar.

Erika war inzwischen selig auf der Couch neben uns eingeschlafen. Schade, so konnte sie nicht sehen, was wir auf dem Stück Erinnerung wirklich fanden: Eine Ansammlung von Disketten-Treibern.

Sie tat uns so leid. Wir fingen an, Liebesgedichte zu schreiben: "Ach, knülle meinen Hamster, Du Zorniger" oder "Ich bin der Tee in Deinen Augen." Vielleicht würde sie es ja nicht merken...

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